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Nr. 3: Dunlop GP Racer Slick D212

Testperson: Frank Spall

Nach einigen sportlichen Japanern steuert Frank Spall (50) aus Großheubach 2017 erstmals ein Naked Bike, eine dreizylindrige MV Agusta 800 RR Brutale. Weil er neben einem halben Dutzend Renntrainings pro Jahr hin und wieder auch auf der Straße fährt, verfügt er über einen zweiten Felgensatz, um die jeweils passenden Reifen dafür einstecken zu können. Frank ist Motorradfahrer mit Leib und Seele; Rennstrecken-Auflüge schätzt er »aus Sicherheitsgründen, weil sich dort das Potential starker Motorräder einfach besser nutzen lässt.« Vorherige Bikes: Yamaha R6 (RJ15), Kawasaki ZX10-R, Suzuki GSX-R 750 K4 und GSX-R 1000 K5, MV Agusta 800 F3.
Technische Daten: Gewicht 76 kg, mit Ledermontur 6 Kilo plus.
Beruf: Kfz-Mechaniker.
Fahrkönnen-Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 bis 10: 7 bis 8.

 


Das Testbike: MV Agusta 800 RR Brutale

MV Agusta 800 RR Brutale, Bj. 2016, km-Stand 1.500. Umbauten für Trackday-Einsätze: Cartridge-Gabel und Stoßdämpfer von Mupo, Chassis-Geometrie wie bei 800er F3-MV, Set-up abgestimmt auf das Körpergewicht. Brembo M4-Monobloc-Zangen und RCS19-Bremspumpe, Bugspoiler, SC-Slipon-Auspuff, Lighttech-Fußrasten, GB-Racing Motorschützer, GSG Sturzpads und Achs-Pads, Probrake-Kupplungshebel, Kühlerschutzgitter von R&G, Zündung/Einspritzung-Kennfeld optimiert auf originalem Steuergerät.

Zusatz-Anmerkung: Frank Spall ist Fuhrparkleiter und Hausmeister bei einer Behörde, dazu betreibt er eine Werkstatt, in der überwiegend Trackday-Motorräder für Kunden aufgebaut und gewartet werden - was den aufwändigen, aber auch auffällig sauberen Aufbau und Zustand seiner MV mit erklärt.

MV Agusta 800 RR Brutale auf Dunlop GP Racer Slick D212

Franks Reifen-Ansprüche

»Ich schätze neutrales Fahrverhalten mit homogenem Einlenken und gute Rückmeldung. Rennreifen mit breitem Grenzbereich sind mir lieber als solche mit noch mehr Haftung, die dann eher bösartig abreissen. Dazu sollen Reifen unproblematisch auf unterschiedliche Fahrwerk-Setups passen. Mir ist lieber, wenn sie nicht im Hochpreissegment positioniert sind, das Hobby soll ja auch bezahlbar bleiben. Auf der Brutale hatte ich zum Einfahren auf der Straße einen Satz Pirelli Supercorsa SP montiert. Damit war ich zufrieden; der taugt auch für sportliches Fahren auf der Rennstrecke, nicht so dauerhaft im absoluten Grenzbereich wie ein reiner Rennreifen, aber gut nutzbar.«

 


Test-Reifensatz: Dunlop GP Racer Slick D212

Vorderrad-Dimension 120/70 R17 M (Medium-Mischung),
Produktionsdatum 17. Woche 2017

Hinterrad-Dimension 190/55 R17 E (Endurance-Mischung),
Produktionsdatum 10. Woche 2017

 


Charakteristik laut Hersteller

Der Dunlop GP Racer D212 ist ein neuer Rennreifen für Trackday-Fahrer und Cup-Rennklassen, der seit 2017 als Slick als auch in profilierter Ausführung angeboten wird. Einordnen lässt er sich zwischen dem KR106/108 (für Profi-Racer) und dem SportSmart 2 Max (einem Premium-Straßensportreifen). Angeboten werden die GP Racer D212 jeweils in zwei Gummimischungen: Vorne in den Mischungen Soft und Medium, hinten in Medium und Endurance. Die profilierten Varianten kommen im Yamaha R6-Cup, im Suzukis GSX-R Cup und im SV650-Cup zum Einsatz und verfügen deshalb reglementbedingt über eine Straßenzulassung.

Der GP Racer D212 ist wie der Vorgänger D211 ein universeller Rennreifen, der laut Dunlop mit Gutmütigkeit und Langlebigkeit glänzt und auf vielen Motorrädern funktioniert. Die Kontur wurde überarbeitet für leichtes und präzises Einlenkverhalten. Die steife Karkasse (Dunlop nennt die Konstruktion NTEC) erlaubt besonders niedrige Reifendrücke. Die so vergrößerte Aufstandsfläche gestattet hohes Gripniveau und Stabilität. Der Radialreifen mit gewickelten 0-Grad-Gürtel (minimiert die dynamische Ausdehnung) bewirkt eine konstant stabile Aufstandsfläche und erlaubt so hohe Stabilität, lineares Lenkgefühl und gutes Feedback.

Ob Slick oder profiliert - der GP Racer D212 glänzt mit 2-Komponenten-Gummimischungen, in der Mitte härter für mehr Laufleistung, in den Schulterbereichen weicher für mehr Grip. Bei den Endurance-Mischungen in den Größen 190/55 und 200/55 sind auf den Laufflächen eigens verschiedene Gummimischungen übereinander (Dunlop nennt es Cap & Base) angeordnet. Eine weiche Base-Mischung kommt schnell auf Temperatur und erzeugt Wärme. So kann die langlebigere Cap-Endurance-Mischung darüber ein höheres Grip-Niveau aufbauen Die Endurance-Mischung deckt deshalb ein besonders breites Temperaturfenster ab.

 


Reifenfakten/Test-Strecke

Das Trackday-Event fand in Most (Tschechien) statt, Veranstalter war »Paddys Races Days«, ein Brüder-Trio aus der Schweiz, das selber gerne am Kabel zieht.

Test-Strecke: Autodrom Most in Tschechien, am 23. September 2017
Fahrzeit: 5 Stints à 15 Minuten

Reifenbezug über: MotorradreifenDirekt.de (www.motorradreifendirekt.de/Dunlop/Sportmax-GP-Racer-D212-Slick-M/120-70-R-17--/p/R-338011)
Montiert auf MV-Agusta Serienfelgen: Vorne 3,5 Zoll Breite, hinten 5,5 Zoll Breite
Gemessene Breite der Lauffläche: Vorne 17 cm, hinten 24 cm
Montierbarkeit: Problemlos, die Karkasse ist nicht steifer oder schwerer als bei anderen Rennreifen
Notwendige Wuchtgewichte: 20 Gramm vorne, 25 Gramm hinten

Luftdruck-Empfehlung (kalt): Vorne 2,10 bar / hinten 1,00-1,10 bar
Luftdruck-Empfehlung (mit Reifenwärmer): Vorne 2,30-2,40 bar / hinten 1,35-1,45 bar
Luftdruck-Empfehlung (nach Turns): Vorne 2,40-2,50 bar / hinten 1,40-1,60 bar
Luftdruck-Empfehlung GP Racer D212 in 160/60ZR17: Kalt 2,10 bar / mit Reifenwärmer 2,40-2,50 bar / nach Turns 2,50 bar

MV Agusta 800 RR Brutale auf Dunlop GP Racer Slick D212 


Vormittags: Stint 1 + 2

Wetter: Trocken, wolkig-bedeckt, Lufttemperatur 13 Grad, Asphalttemperatur 14 Grad.
Fahrzeit: Jeweils 15 Minuten, 7 bis 9 Runden

Frank Spall: »Zuerst möchte ich sagen, dass ich einige Wochen vorher in Oschersleben die Gelegenheit hatte, für das Hobbyracer-Magazin »Circuit« den profilierten Dunlop GP Racer D212 auf meiner MV Brutale auszuprobieren, ebenfalls vorne in Medium-Mischung und hinten als Endurance. Ich benötigte ein paar Runden, um mich an die erhöhte Handlichkeit zu gewöhnen. Danach konnte ich es ordentlich laufen lassen und war echt begeistert.«

»Auch mit den Slicks in Most war der erste Eindruck positiv. Ich baute umgehend Vertrauen auf und konnte nach einer verhaltenen Runde gleich ans Gas gehen, ohne weitere Eingewöhnungsphase. Ob ich einen Unterschied zwischen der profilierten Variante und dem Slick gespürt habe? Nein, die grundsätzliche Charakteristik beider GP Racer D212-Typen ist sehr ähnlich. Auch der Slick fährt neutral, bietet ein präzises Einlenkverhalten und stellt sich auch beim Bremsen nicht auf. Der Reifen führt super stabil, lässt jegliches Pumpen beim Rausbeschleunigen vermissen, obwohl es am Vormittag relativ kühl war. Das Temperaturfenster der Endurance-Mischung ist breit gespreizt und funktioniert von 10 bis weit über 30 Grad Asphalttemperatur, was bemerkenswert ist.«

»Beim zweiten Stint habe ich das Tempo angezogen, habe später und härter gebremst und bin früher ans Gas gegangen am Kurvenausgang. Der Grip der Slicks ist top, auch die Rückmeldung gefällt, ich spüre gut, was das Motorrad unter mir anstellt, wie es reagiert.«

MV Agusta 800 RR Brutale auf Dunlop GP Racer Slick D212 


Nachmittags: Stint 3, 4 und 5

Wetter: Trocken, wolkig-bedeckt, zeitweise auflockernd, Lufttemperatur 20 Grad, Asphalttemperatur 21 Grad.
Fahrzeit: Jeweils 15 Minuten, 7 bis 9 Runden

Frank Spall: »Ich habe weiter versucht, bei jeder Ausfahrt etwas engagierter zu fahren. Also härter ans zu Gas gehen und später zu bremsen, um für mich die Grenzen mit dem Reifen auszuloten. So konnte ich mich jedes Mal eine Sekunde verbessern. Alles in allem bin ich über fünf Sitzungen hinweg 5 Sekunden schneller geworden. Das Ganze ist nicht unter speziellen Druck passiert, sondern locker, was genau mein Ding ist. Ich will als engagierter Sportfahrer schneller werden, aber nicht mit der Brechstange, sondern mit einem guten Feeling. Ich teile mir die Strecke in Sektoren ein, und versuche diese nach und nach besser hinzukriegen, so gelingen mir am ehesten Fortschritte. Etwas später bremsen, etwas später einlenken, und etwas früher ans Gas. Das ist auf der ganzen Strecke nicht so einfach, deswegen gehe ich es sektorenweise an. Man sieht ja, wo überholt wird, wo man seine Schwachpunkte hat. Darüber denke ich zwischen den Stints nach und versuche es dann besser bei der nächsten Ausfahrt umzusetzen.«

MV Agusta 800 RR Brutale auf Dunlop GP Racer Slick D212 


Fahrer-Fazit

Frank Spall: »Gut gefallen hat mir, dass der Dunlop GP Racer Slick D212 über alle Stints hinweg nicht nachgelassen hat, Haftung und Gripvermögen blieben gleich, wie auf Schienen, ich hatte nicht einen Rutscher. Auch das Reifenbild ist einwandfrei, schön glatt. Ich schätze, das ich damit zwei weitere Renntrainings fahren kann, vielleicht sogar noch mehr. Ein Bekannter, der ebenfalls eine MV Agusta 800 Brutale bewegt, hat mit dem Endurance-Reifen bereits vier Rennstrecken-Tage abgespult und noch kein Nachlassen festgestellt.«

»Ich würde den Dunlop als unkomplizert einstufen, als umgänglichen Rennreifen, mit dem man lange Spaß haben kann und nicht andauernd das Fahrwerk-Setup anpassen muss. Es ist möglich, dass mein modifiziertes Fahrwerk punkto Lebensdauer durchaus förderlich ist. Es kann sein, dass das Dämpfungs-Setup mit Serienkomponenten die Reifen mehr beansprucht und die Lebensdauer kürzer ausfällt. Ob ich diesen Reifen einem Freund oder Bekannten empfehlen würde? Auf jeden Fall, mit gutem Gewissen.«

»Ich denke, etliche Sportfahrer wünschen sich einen Reifen, der gut und zuverlässig funktioniert und auch ein punkto Lebensdauer überzeugt, einfach um die Kosten im Zaum zu halten. Was nützt einem ein Reifen, mit dem man auf Teufel komm raus angasen kann, der aber nach 100 km durch ist? Dazu kenne ich Hobbyracer, die mit superspeziellen Pneus sogar eher überfordert wären, weil sie die fahrerische Performance dafür noch nicht abrufen können.«

»Ich würde sagen, der Dunlop GP Racer Slick D212 ist das Pendant zum Bridgestone Battlax V01/V02. Das Verhalten ist ähnlich, wobei der Dunlop im Grenzbereich vielleicht etwas homogener, gutmütiger reagiert.

MV Agusta 800 RR Brutale mit Dunlop GP Racer Slick D212

 


Abschluss-Tipp

Frank Spall: »Abschließend einen Tipp. Ich lege am Ende eines Trackdays den Reifenwärmer noch einmal auf, ohne Strom einzuschalten, damit die Reifen langsam auskühlen. Weil: Das schnelle Auskühlen setzt dem Gummigefüge mehr zu als das langsame. Das hat mir ein Reifentechniker einmal erklärt. Unterm Strich ist es der Langlebigkeit eines Reifen förderlich, wenn man die Decke zum Auskühlen drauf lässt. Wenn ich zusammenpacke und aufräume, lasse ich das Motorrad bis zuletzt mit Reifenwärmern stehen. Klar, bei 35 Grad im Sommer ist das nicht so dramatisch, aber im Frühjahr und Herbst, wen es kühler ist, macht das schon einen Unterschied.«

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