Zum Inhalt springen Zur Navigation springen
zurück zur Übersicht

Nr. 4: Bridgestone Battlax Racing R11

Testperson: Julia Hämmer

Julia Hämmer ist die Tochter des Schwabenleder-Gründers Claus Hämmer, der 2014 verstorben ist. Seitdem führt die 26-jährige Maßschneiderin gemeinsam mit Zwillingsbruder Dennis die Firma weiter. Zum Rennstrecken-Fahren fand sie durch die Auslieferung von 40 R6-Cup-Lederkombis am Lausitzring, als sie beim Zuschauen an der Strecke dachte: "Geil, das will ich auch machen". Zuvor bewegte sie Husqvarna Supermotos, auf der Straße wie auf abgesperrten Strecken.
Inzwischen tobt sich Julia Hämmer im vierten Jahr mit einer Yamaha R6 auf Rennstrecken aus. 2018 ist ein Mix aus Trackdays und gelegentlichen Starts im Deutschen Langstrecken Cup (DLC) und im Deutschen Rundstrecken Cup (DRC) geplant, vereinzelt sind zusätzlich Gaststarts bei Markencups (Suzuki Twin Cup, BMW Boxer Cup etc) angedacht.
Vorherige Bikes: Husqvarna Supermoto SMR 510 und SMR 450 RR
Technische Daten: Gewicht 60 kg, mit voller Montur und Helm 10 Kilo plus.
Beruf: Maßschneiderin.
Fahrkönnen-Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 bis 10: 5

 


Das Testbike: Yamaha R6

Yamaha R6 (RJ15), Bj. 2010, km-Stand unbekannt (kein Tacho). Umbauten für Trackday-Einsätze: Kit-ECU, Schaltautomat, Magura-Bremspumpe, Gilles-Rastenanlage, Öhlins-Gabelumbau und Federbein hinten. Das Fahrwerks-Setup erfolgte durch Mathias Greif von Alpha Technik.

Julias Reifen-Ansprüche

»An oberster Stelle steht für mich Gripp. Feedback ist auch wichtig. Bei normalem Tempo möchte ich mich gut und safe fühlen, auf der letzten Rille im Grenzbereich möchte ich spüren, dass der Reifen mir sagt »bis hierhin und nicht weiter«. Die Haltbarkeit liegt mir weniger am Herzen. Bisher bin ich ausschließlich mit Pirelli Diablo Superbike-Slicks gefahren, meist in softer Gummimischung. Und bei Regen nur mit Bridgestone Regen-Rennreifen.«

 


Test-Reifensatz: Bridgestone Battlax Racing R11

Vorderrad-Dimension (R11 F) 120/70 R17 (Gummimischung soft)
Produktionsdatum 34. Woche 2017

Hinterrad-Dimension (R11 R) 190/55 R17 (Gummimischung soft)
Produktionsdatum 35. Woche 2017

TRACK-TIME!

 


Charakteristik laut Hersteller

Der Bridgestone R11 ist ein profilierter Rennreifen für Seriensport-Einsätze, der Ende 2017 als Nachfolger des R10 vorgestellt wurde. Das Angebot umfasst zwei Vorderreifengrößen und sechs Hinterreifengrößen, die alle in Medium verfügbar sind, etliche auch in Soft-Varianten.

Bridgestone empfiehlt den Battlax Racing R11 für Seriensport-Rennkategorien wie SSP 300, SSP 600 und SST 1000 Meisterschaften sowie für Markencups. Der R11 ist in der Hierarchie unter den reinrassigen V01/V02-Slicks positioniert, soll dafür besonders gutmütig und einfach in der Handhabung sein und auch nicht optimale Setups problemlos wegstecken.

Die R11 Vorderrad-Karkasse zeichnet eine spezielle Monospiral-Konstruktion (V-MSB) aus. Neu daran ist, dass der in Laufrichtung aufgespulte Gürtel, ein Stahldrahtgeflecht, nicht gleichförmig über die Lauffläche verläuft, sondern in der Mitte eng gewickelt ist und zu den Seiten hin mit größeren Zwischenräumen. Dies erlaubt laut Bridgestone einen stufenlosen Übergang bei der Steifigkeit, was hohe Stabilität beim Anbremsen mit Agilität beim Ein- und Umlegen verbindet. Die flexiblere Flanke hat zur Folge, dass in Schräglage ein höherer Druck auf das Kontaktfeld wirkt, was eine größere Seitenführungskraft ermöglicht. Folge: mehr Gripp, höherer Kurvenspeed, besseres Kontaktgefühl.

Der Hinterradreifen ist auf der Lauffläche mit einem sogenannten GP-Belt (stammt aus dem Slick V02) zusätzlich zur V-MSB-Karkasse konstruiert. Das Resultat ist laut Bridgestone ein Hinterreifen mit gesteigerter Haftung und konstanter Performance über die gesamte Reifenlebensdauer.
Für die Entwicklung des (spärlichen) Profildesigns auf den Laufflächen analysierten die Entwickler die Abnutzung in der Beschleunigungsphase und die Verformung des Reifens beim Bremsen in Kurvenfahrt.

Wichtig: Trotz der Profilierung und der Strassenzulassung, die für viele Seriensport-Klassen Vorschrift sind, ist der Bridgestone Battlax Racing R11 eine reinrassige Rennbereifung, mit der Einsätze im öffentlichen Strassenverkehr ausdrücklich nicht angeraten sind. Die R11-Gummis müssen zwingend mit Reifenwärmern auf mindestens 60 Grad vorgeheizt werden. Bridgestone empfiehlt für die verschiedenen R11-Dimensionen bei Vorder- und Hinterreifen auch jeweils unterschiedliche Reifendrücke (von 1,65, 1,75, 1,8, 1,9, 2,0 bis 2,2 bar). Dazu gilt die Empfehlung, bei Betriebstemperatur zu messen, also NACH dem Fahren und der Einfahrt in die Box. Für die Messung nach dem Aufheizen (80 Grad/60 Min) setzt Bridgestone zur Orientierung 0,1 bar bis 0,05 bar weniger an.

Bridgestone Battlax Empfehlung: Reifendrücke für den Einsatz auf der Rennstrecke (PDF)

 


Reifenfakten/Test-Strecke

Test-Strecke: Pau-Arnos in Frankreich, im März 2018
Fahrzeit: Gut ein Dutzend Stints über 1,5 Tage
Reifenbezug über: MotorradreifenDirekt.de (https://www.motorradreifendirekt.de/Bridgestone/R-11-F/120-70-R-17-58-V/p/R-367286)
Felgen: Montiert auf Yamaha-Serienfelgen / Breite vorne 3,5 Zoll / hinten 5,5 Zoll
Gemessene Breite der Lauffläche: Vorne 17 cm / hinten 24 cm
Montierbarkeit: Problemlos, etwas steifer als ein Pirelli
Bridgestone Luftdruck-Empfehlung (warm): Vorne 2,2 bar / hinten 1,75 bar
Mit Reifenwärmer (80°C, 60 Min.): Vorne ca. 0,1 bis 0,05 bar weniger / hinten ca. 0,1 bis 0,05 bar weniger

 


Erster Tag: Stint 1 + 2

Wetter: Trocken, vormittags vereinzelt nasse Flecken, wechselnd sonnig bewölkt, Lufttemperatur 20 Grad, Asphalttemperatur 24 Grad.

Fahrzeit: Vormittags 6 Runden bis zum Sturz, Nachmittags nach Reparatur kurzer Funktionscheck

Wissenswert: Pau-Arnos ist eine malerisch ins Grüne eingebettete Rennstrecke im Süden Frankreichs, deren Asphaltband sich wie mit dem Buttermesser hingestrichen durch die hügelige Landschaft kringelt. Eine sehr spezielle Eigenart ist, dass das Grundwasser über Nacht mitunter nach oben steigt und vereinzelt für feuchte Flecken auf der Piste sorgen kann, die auch bei warmen Temperaturen am Vormittag nur langsam auftrocknen. Der Veranstalter wies darauf bei der Fahrerbesprechung deutlich hin und bat alle Aktiven um entsprechend Umsicht und auch Geduld.

TRACK-TIME!

Julia Hämmer: »Das Trackday-Event in Pau erstreckte sich über vier Tage. Zum Einrollen nach dem Winter bin ich am ersten Tag mit den gewohnten Pirelli-Slicks gefahren. Am zweiten Tag dann mit den R11-Bridgestone, vorgeheizt auf 80 Grad, Luftdruck vorne wie empfohlen 2,2 bar, hinten 1,65 bar, ein bar weniger als empfohlen, weil mir das etwas viel vorkam. Ich bin rausgefahren und war fast geschockt, so bombastisch hat sich das angefühlt. Gripp auf jeden Fall gut, meine R6 kam mir beim Anbremsen stabiler vor und in der Kurve wie auf Schienen. Ich war im Vorfeld etwas angespannt, weil ich vorher nie anderes als die Pirelli-Slicks gefahren bin. Die R11 haben sich aber gleich richtig gut angefühlt, ich war überrascht. Ich kam dann leider nur 6 Runden weit, dann bin ich ausgangs einer engen Links per Highsider abgestiegen. Ein anderer Fahrer mit einer Yamaha R1, der hinter mir war, erzählte später, ich sei schon sehr flott unterwegs gewesen, bin dann aber wohl beim Beschleunigen auf einen dieser nassen Flecken gekommen und habe abgehoben wie ein Hubschrauber.«

»Mich hat es etwas durchgeschüttelt, am Motorrad war der Lenkerstummel abgebrochen, das war, mit ein paar anderen Kleinigkeiten, aber bald repariert. Nach einer Pause bin ich nochmal rausgefahren, um für eine Handvoll Runden zu checken, ob alles funktioniert und um wieder reinzufinden. Dafür habe ich probeweise den empfohlenen Luftdruck, also 1,75 bar hinten, eingefüllt. Ich habe 5 Runden mit entspannten Rundenzeiten abgespult aber man sah anschließend, dass der Reifen schon ein bißchen Material seitlich rausgeschoben hatte und zu weich geworden war, was mir bestätigte, dass es zuvor eine gute Idee war, den Luftdruck zurück zu nehmen. Es kann allerdings auch sein, dass der Asphalt in Pau-Arnos dieses Phänomen fördert, weil ein Kollege, der einen Bridgestone V02-Slick fuhr, ein ähnliches Phänomen beobachtete, obwohl dergleichen bei ihm sonst nie aufzutreten pflegt.«

TRACK-TIME!

Der dritte Eventtag war kühl und fast gänzlich verregnet, da war an R11-Testen nicht zu denken.

 


Zweiter Tag: Stint 3 bis 10

Wetter: trocken, windig, nicht sehr warm, keine direkte Sonneneinstrahlung, Lufttemperatur 16 Grad, Asphalttemperatur 18 Grad.

Fahrzeit: freies Fahren, mehrere Stints über den ganzen Tag

Julia Hämmer: »Ich habe viele Runden gedreht und nach angemessenen Pausen einen Stint nach dem anderen abgespult. Meine Meinung über die gesamte Zeit, unabhängig von den Temperaturen: Der Bridgestone R 11 gefällt mir insgesamt super. Ein toller Gummi. Besonders der Vorderreifen. Extrem aufgefallen ist mir die Bremsstabilität. In den Kurven ist das Feeling wie auf Scheinen; auch der Mega-Grip hat sich auf meiner R6 perfekt angefühlt.«

»Am letzten Tag war es trocken, eher windig und nicht sehr warm, also ohne direkte Sonneneinstrahlung; aber man konnte problemlos fahren. Ich habe mit Trackday-Kollege Darryl Dörlich, der sich gut auskennt, noch das Gabel-Setup verstellt, weil mir aufgefallen ist, dass beim Einlenken und Handling etwas anders war als ich es sonst gewohnt bin. Wir haben dann plus 5 Umdrehungen an der Federvorspannung eingestellt, danach war das Feeling perfekt.«

TRACK-TIME!

»Ich bin jemand, der gerne viel Schräglage fährt. Das muss nicht immer gut sein mit Blick auf Rundenzeiten, das ist mir bewusst. Gerade in voller Schräglage aber hat sich der Vorderreifen richtig gut und stabil angefühlt. Ich habe mich mit dem R11 sehr sicher gefühlt und war total motiviert, richtig Gas zu geben, echt klasse.«

 


Fahrer-Fazit

»Zum Hinterreifen: Sonst fahre ich hinten eine 180er Dimension. Der 190er R11 wurde mir von Tim Röthig von Bridgestone empfohlen. Diese 190er Dimension hat dann auch auf meiner R6 funktioniert und fühlte sich prima an. Der Grip war gut. Ich habe dann etwas mit dem Luftdruck herumprobiert, weil es mir so besser gefallen hat. Dass ich gestürzt bin, war nicht der Reifen schuld, sondern dass ich auf diesen nassen Flecken gekommen bin. Ich weiss, dass ich schon flott unterwegs war und auch eine schnelle Runde fahren wollte, würde aber nicht behaupten, dass ich obermotiviert war.«

»Ich meine jedoch, dass der Hinterradreifen nicht die Performance eines Pirelli SC1 bietet. Meine 600er hat keine Traktionskontrolle. Ich würde sagen, dass der R11 hinten eher rutscht als ein Vollslick. Nichtsdestotrotz: Ich war sehr begeistert von dem Bridgestone R11. Noch ein Quervergleich zum Pirelli: Die R11-Karkasse kam mir stabiler vor. Der Pirelli wirkt in sich weicher und gautscht etwas beim Anbremsen, der R 11 macht das nicht, führt stabiler. Es gibt in Pau eine schnelle Links, da war das auch zu spüren. Auch da fühlte sich der Bridgestone-Vorderreifen wirklich klasse an.«

»Zum Verschleiss noch: Nach diesen eineinhalb Tagen Testfahrt würde ich sagen, dass der Hinterradreifen mindestens noch einen weiteren Tag durchhält, vorne vielleicht sogar noch zwei weitere Tage. Die Lauffläche sah sehr gut aus, schön glatt, vorne wie hinten. Kein Aufreissen, alles gut. Mein Fazit zum Bridgestone R11: Als Paket ein toller Reifen, der mir sehr gut gefallen hat.«

TRACK-TIME!

 

zurück zur Übersicht