Zum Inhalt springen Zur Navigation springen
zurück zur Übersicht

Nr. 6: Pirelli Diablo Superbike Slick

Testperson: Marc Neubauer

Marc Neubauer fährt im Deutschen Rundstrecken Cup (DRC) 2018 mit dem RL2-Endurance-Team in der Klasse 4, in der sich drei Fahrer mit einem Motorrad ablösen. In den übrigen Klassen wechseln sich die Piloten auf jeweils drei Bikes ab, nur der Transponder wird beim Boxenstopp getauscht. Bislang setzte das RL2-Team auf Bridgestone-Slicks. Zufällig kam die Anfrage wie gerufen, für die Tracktime-Serie von MotorradreifenDirekt.de einen Satz Pirelli Diablo Superbike-Slicks auszuprobieren, weil das Team diesen Gummi ohnehin ausprobieren wollte.
Technische Daten: Gewicht 96 kg, mit voller Montur 6 kg plus, Größe 1,90
Alter, Beruf, Wohnort: 30 Jahre, Mediengestalter, Bonn
Vorherige Motorräder: Honda CB 450 S, Kawasaki ZX-6R, KTM Super Duke 990, Suzuki GSX-R 750
Fahrkönnen-Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 bis 10: 7

Marc #7, so sein Racing-Nick, ist 30 Jahre alt und Mediengestalter. Der Bonner kurvt seit bald 10 Jahren über Rennstrecken: »Mein Vater fuhr bereits Motorrad, auch auf der Nordschleife. Nach dem Führerschein habe ich bald gemerkt, dass ich zügiger fahren und auch besser werden wollte, also ging es 2009 erstmals auf eine Rennstrecke. Meine Honda CB450S hat krass gequalmt, ich wurde bereits »Lokomotive« genannt, worauf mir eine barmherzige Seele eine CBR600 lieh. Mein erstes Trackday-Bike war schließlich eine Kawasaki ZX-6R für 2.300 Euro, mit dem ich Renntrainings bestritt und Gaststarts bei Seriensportrennen am Nürburgring, in Schleiz und Oschersleben absolvierte. Danach folgten einige Jahre im der KTM Super Duke Battle und im RL-Cup.«

Was ihn umtreibt, nun Endurance-Rennsport betreiben? Marc: »Es gefällt mir, alles um Griff zu haben. Das Team ist eine große Familie, alles muss zusammenpassen, Langstrecke fahren ist eine Riesenaufgabe, man muss soviel vorbereiten mit einem Bike für alle, der Zusammenhalt muss stimmen, die ganze Organisation und Logistik – es ist einfach ein krasses Unterfangen. Meine 2016er BMW S 1000 RR für den Tracktime-Test ist mein Trainingsmotorrad – und gleichzeitig Ersatzteilspender, wenn mit dem Klasse 4 Endurance-Motorrad etwas schief geht.«

 


Das Testbike: BMW S 1000 RR

BMW S 1000 RR, Bj. 2016, km-Stand 5.000. Umbauten für Trackday-Einsätze: Öhlins-Fahrwerk, Gabel mit Open Cartridge, hinten TTX-Federbein, Brembo-Bremspumpe, Akrapovic-Komplettanlage. Dazu Rennverkleidung, andere Stummel und Fußrasten und Lenkerschalter. Die Setup-Einstellung erfolgte bei DS-Suspension.

TRACK-TIME!

Marcs Reifen-Ansprüche

»Für mich sind Transparenz und Vertrauen wichtig. Ich bin nicht der Brechstangen-Typ, der auch schnell sein kann, wenn ein Reifen Überwindung beim Einlenken benötigt oder auf der Kante kein gutes Feedback ermöglicht. Sprüche wie »Pokal oder Hospital« oder »Ich quetsche jetzt einen raus« wird man bei mir nie erleben. Ich stürze selten, zum Glück, weil wenn, tue ich mir auch gleich weh. Am besten klappt das Fahren, wenn Reifen mir Vertrauen und ein gutes Gefühl vermitteln, und ich beim Einlenken und in Schräglage nicht darüber nachdenken muss, ob ich die Kurven auch wieder heil verlassen kann.«

 


Test-Reifensatz: Pirelli Diablo Superbike Slick

Vorderrad-Dimension 120/70 R17 (Gummimischung SC3),
Produktionsdatum 43. Woche 2017

Hinterrad-Dimension 200/60 R17 (Gummimischung SC1),
Produktionsdatum 02. Woche 2018

 


Charakteristik laut Hersteller

Pirellis Diablo Superbike-Slicks sind mit "NHS" (No Highway Service) ausgezeichnet und ausschließlich für den Rennstreckeneinsatz gedacht. Die italienische Marke ist seit Jahren einheitlicher Ausrüster in der Superbike WM und künftig auch in der Superbike-IDM. In der Sportfahrer- und Trackday-Szene genießen Pirelli-Slicks den denkbar besten Ruf, für einen Großteil der Aktiven kommt gar nichts anderes in Frage, weil die Gesamt-Performance aus Gripp, Traktion, Handling und Stabilität auf ganzer Linie überzeugt.

Die Diablo-Superbike-Angebotspalette umfasst 5 Vorderrad-Dimensionen in drei Gummimischungen (SC1, SC2, SC3) und 15 Hinterrad-Dimensionen in 4 Gummi-Mischungen (SC0, SC1, SC2, SC3).

 


Reifenfakten/Test-Strecke

Reifenbezug über: MotorradreifenDirekt.de (https://www.motorradreifendirekt.de/Pirelli/Diablo-Superbike/120-70-R-17--/p/R-300513)
Montiert auf BMW-Serienfelgen: Breite vorne 3,5 Zoll / hinten 6 Zoll
Gemessene Breite der Lauffläche: Vorne 17 cm / hinten 25 cm
Montierbarkeit: Sowohl vorne als auch hinten problemlos
Reifenwärmer: HSR, ungeregelt

Test-Strecke: Pau-Arnos in Frankreich, im März 2018
Trackday-Event: Veranstalter waren Mike Fiedler und Pablo Puschmann, die als Ex- bzw. Immer-noch-Rennfahrer auch selbst gerne auf der Ideallinie unterwegs sind.
Fahrzeit: Ein halber Tag freies Fahren, mehrere Sessions

Pirelli Luftdruck-Empfehlung (mit Reifenwärmer, 70-80°C, 60 Min.): Vorne 2,3-2,5 bar / hinten 1,6-1,8 bar (empfohlen wird die Heissmessung nach dem Fahrbetrieb)

Pirelli gibt praxisgerecht sehr exakte Luftdruck-Empfehlungen:
Vorderrad bei Streckentemperatur unter 25°C: 2,3 bar, 
Vorderrad bei Streckentemperatur zwischen 25-40°C: 2,4 bar
Vorderrad bei Streckentemperatur über 40°C: 2,5 bar
Hinterrad bei Streckentemperatur unter 25°C: 1,6 bar
Hinterrad bei Streckentemperatur zwischen 25-40°C: 1,7 bar
Hinterrad bei Streckentemperatur über 40°C: 1,8 bar

TRACK-TIME!

 


Testtag in Pau-Arnos: Session 1

Wetter: Trocken mit teils nassen Flecken, bewölkt und windig mit starken Böen. Asphalttemperatur 20 Grad Celsius.
Aufgeheizt wurde vorne 2,4 bar Luftdruck eingefüllt und hinten 1,55 bar.
Heiß-Luftdruck-Messung nach dem Fahren: vorne 2,4 bar und hinten 1,6 bar.

Marc Neubauer: »Meine bisherigen Erfahrungen mit Rennreifen: 2010 waren es Dunlop D 209-Cupreifen, danach ging es mit Conti-Slicks und auch Einheitsreifen weiter, nach einem Jahr Pause folgte 2016 der Umstieg auf Metzeler-Gummis und zuletzt wurde auf Bridgestone V02 im RL-Cup angegriffen.«

TRACK-TIME!

»Die äußeren Bedingungen waren nicht ideal, extrem windig, es gab sogar eine Sturmwarnung. Dazu gab es an einigen Stellen der Piste feuchte Flecken*. Aber es ging. Mein erster Eindruck: Der Pirelli Diablo Superbike-Slick-Hinterreifen mit SC1-Mischung ist eine Macht, im Vergleich zum Bridgestone V02 spürbar mehr Gripp, gerade in Schräglage beim Herausbeschleunigen. So war es möglich, über das Hinterrad viel engere Linien zu fahren und über die Front noch zu steuern, während es einen sonst eher nach außen treibt. In der letzten Kurve auf die Start-Ziel-Gerade hat das Hinterrad einmal beim Beschleunigen über eine Welle versetzt. Als der Reifen wieder Gripp hatte, ist das Bike direkt aufs Hinterrad gegangen, obwohl ich noch fast volle Schräglage hatte. Wie der Reifen derart viel Gripp aufbaut, dass er direkt in den Wheelie übergeht, war sehr beeindruckend. Und machte richtig Spaß!«

»Auch der Vorderreifen vermittelte viel Vertrauen, ich hatte extra vorher zu Testzwecken noch den neuen Bridgestone R11 zum Vergleich gefahren, der nach meinem Gefühl auch besser funktioniert als der V02, aber auch da war beim Pirelli noch mehr Edge-Grip zu spüren, vor allem auch konstant. In meinen Augen ist auch die Haltbarkeit am Vorderrad besser. Dass der Pirelli-Hinterradslick von der SC1-Mischung her nicht für diese Bedingungen passte, deutete sich bereits nach 8 Runden der ersten Session an. Wild sah es noch nicht aus, aber die Lauffläche fing an, auf der rechten Flanke aufzuribbeln.«

TRACK-TIME!

 


Testtag in Pau-Arnos: Session 2

»In einer zweiten Session nach der Mittagspause lag die Asphalttemperatur wieder bei 20 Grad. Leider wurde der Wind immer extremer. Man konnte noch fahren, aber am Ende wurde es zu gefährlich. Auf der Start-Ziel-Geraden haben immer heftigere Windböen bei Wheelies das Vorderrad fast weggetreten.«

TRACK-TIME!

»Die SC1-Gummimischung war für diese Verhältnisse und Temperaturen einfach nicht die Passende. Auch der Grip liess damit deutlich nach. Das merkte man gerade mit der BMW mit so viel Leistung. Das fing bereits im Kurveneingang beim Gasanlegen an. Im ersten Moment des Aufziehens kam deutlich Bewegung ins Motorrad und wurde Runde für Runde mehr. Dass der Reifen trotz wenig Laufleistung nicht mehr gut aussah, war da nicht verwunderlich. Der Pirelli-Slick-Vorderreifen in SC3-Mischung funktionierte unverändert supergut, kein Unterschied zu spüren bis zum Ende der Session. Ich war begeistert. Wir werden uns wohl auch für unser Endurance-Motorrad für diesen Reifen entscheiden.«

 


Fahrer-Fazit

»Vorderreifen genial, ermöglicht viel Vertrauen und dazu viel Feedback. Ist in maximaler Schräglage ein bisschen knatschig, also relativ weich, dafür fällt die Kontrolle leicht. Man hat das Gefühl, der Reifen frisst sich richtig in den Asphalt hinein. Der Anfangsgripp beim Hinterreifen war brutal. Wie geschildert: in Schräglage beim Gas anlegen und leichtem Aufziehen fängt das Bike schon an zu steigen, weil der Reifen soviel Gripp aufbaut. Wirklich super gut. Der SC1 war für diese Bedingungen die falsche Mischung, SC2 oder SC3 wäre die bessere Wahl gewesen. Aber es war sehr interessant, diese Pirelli Diablo Superbike-Slicks einmal ausprobieren zu dürfen, deshalb Dankeschön an MotorradreifenDirekt.de«

TRACK-TIME!

 


Wissenswert: Pau-Arnos ist eine malerisch ins Grüne eingebettete Rennstrecke im Süden Frankreichs, deren Asphaltband sich wie mit dem Buttermesser hingestrichen durch die hügelige Landschaft kringelt. Eine sehr spezielle Eigenart ist, dass das Grundwasser über Nacht mitunter nach oben steigt und vereinzelt für feuchte Flecken auf der Piste sorgen kann, die auch bei warmen Temperaturen am Vormittag nur langsam auftrocknen. Der Veranstalter wies darauf bei der Fahrerbesprechung deutlich hin und bat alle Aktiven um entsprechend Umsicht und auch Geduld.

TRACK-TIME!

zurück zur Übersicht