Moto3 Saisonrückblick auf ADAC Website
3 Fragen an Philipp Freitag
Philipp Freitag erlebte eine durchwachsene Saison 2016, konnte mit seinen guten Leistungen aber den dritten Rang der Gesamtwertung sichern.
Fasse deine Saison vom ersten bis zum letzten Rennen zusammen
In Silverstone lief es zunächst nahezu perfekt für mich: Ich konnte trotz Sturz mit einer Sekunde Vorsprung die Pole einfahren und das erste Rennen trotz schwieriger, nasskalter Bedingungen ohne große Probleme gewinnen. Nachdem das Motorrad vor dem zweiten Rennen Probleme gemacht hatte, hat mein Team es gerade noch rechtzeitig fertig gekriegt. Im Rennen waren die Grip-Verhältnisse in der ersten Runde so schwierig, dass ich – wie viele andere Fahrer – bei einem Überholversuch stürzte. Die Enttäuschung darüber war groß, da ich das gesamte Wochenende über dominiert hatte.
In Assen (WSBK) wollte ich von Anfang an gewinnen, doch nachdem mir vor der Ausfahrt zum Qualifying der Motor ausgegangen war und Regen einsetzte, schien dies von dem daraus resultierenden 19. Startplatz aus nahezu unmöglich. Im Rennen versuchte ich von Anfang an, so weit nach vorne wie irgendwie möglich zu kommen. Nach ein paar Runden kämpfte ich bereits um den Sieg und konnte die erste Position in der letzten Runde verteidigen. Mit diesem Sieg war für die Meisterschaft wieder alles offen.
Am Lausitzring hatte ich im Qualifying Probleme mit dem zweiten Sektor. Das Rennen wurde zunächst kurz nach dem Start abgebrochen. Beim Restart wurden die Reifen so kalt, dass sie das gesamte Rennen über Probleme machten. In einer Vierergruppe konnte ich mich in der letzten Runde auf den zweiten Platz setzen, bevor mich in der letzten Kurve ein Konkurrent vom Motorrad rammte. Nachdem alle Versuche, das Motorrad wieder in Gang zu bringen, scheiterten, musste ich ohne Punkte abreisen.
Am Sachsenring stand ich aufgrund eines schwachen Qualifyings zu weit hinten, um zu verhindern, dass Dirk sich an der Spitze absetzte. Ich kämpfte daraufhin mit Toni Erhard um den zweiten Platz. Als der den GP-Fahrer Dupasquier bei einer Überrundung überholte, konnte ich nicht mit durch und konnte erst zwei Runden später durch ein extrem spätes Bremsmanöver selbst vorbeigehen. Die letzte Runde reichte nur knapp, um die Lücke zu Erhard zu schließen, und nicht, um ihn noch einmal anzugreifen. Das Podium war dennoch ein solides Ergebnis. Mein „Heimrennen“ in Oschersleben verlief anders als geplant. Im Qualifying wurde ich nur Gesamt-Neunter, konnte aber in beiden Rennen in der vordersten Gruppe mitfahren. Ich konnte mich jedoch nicht behaupten und war mit dem vierten bzw. siebten Platz besonders mit Blick auf die Meisterschaftswertung sehr unzufrieden.
In Hockenheim startete ich nur vom zehnten Gesamt-Platz, war jedoch im Rennen schnell in der Verfolgergruppe vorne und schloss die Lücke zum Führenden (Jespersen). In der vorletzten Runde sprang mir jedoch der Gang raus. Ich fiel von Platz zwei auf Platz fünf zurück und verlor viel Zeit auf die Gruppe, sodass ich die Lücke nicht mehr schließen konnte. Das war besonders enttäuschend, da ich den Sieg schon vor Augen hatte und hier eine realistische Chance auf die Meisterschaft verloren ging. Für Assen (BSB) war ich dennoch top-motiviert und fest entschlossen, noch einmal ein Zeichen zu setzen. Das erste Rennen startete ich von einer guten Startposition. Das Rennen wurde im Trockenen gestartet und schon nach zwei Runden abgebrochen, weil es zu regnen anfing. Nach dem Neustart konnte direkt bei der Spitze mitfahren. Nach vier Runden lag ich mit geringem Rückstand zur Spitze und großem Abstand nach hinten auf einem sicheren dritten Platz, als ein Elektronikfehler die Maschine fast unfahrbar machte. Ich konnte in den verbleibenden Runden nicht mehr tun, als das Motorrad noch auf dem siebten Platz ins Ziel zu bringen. Im zweiten Rennen musste ich wegen der schlechten Rundenzeit aus dem ersten Rennen zwar von Startplatz 23 starten, war jedoch entschlossen, die Saison mindestens auf dem Podium zu beenden. Nach einer Aufholjagd lag ich bald auf der zweiten Position der Standard-Klasse und konnte der Gruppe hinter mir entkommen. Beim Versuch, doch noch auf den Führenden (Toni Erhard) aufzuschließen, klappte mir in einer schnellen Linkskurve das Vorderrad ein. Ich konnte den Sturz gerade noch verhindern, musste jedoch nach einem Ritt durchs Kiesbett wieder einen siebten Platz nach Hause fahren.
Was war dein Saisonhöhepunkt? Welches war das schlechteste Rennen?
Mein Saisonhöhepunkt war das Rennen im Rahmen der WSBK in Assen, bei dem ich entgegen aller Erwartungen vom 19. Startplatz aus gewinnen konnte. Das war das bisher beste Rennen meiner Karriere. Mein schlechtestes Rennen war das erste Rennen in Oschersleben, bei dem ich mich in der Gruppe nicht durchsetzen konnte und nur Siebter wurde.
Bist du insgesamt zufrieden mit 2016?
Ich bin mit meiner Leistung und der Leistung meines Teams nahezu voll zufrieden, jedoch nicht ganz mit dem Endergebnis der Meisterschaft, da es nicht unsere Leistung widerspiegelt. Doch bei all dem Pech, das wir hatten, ist der dritte Gesamtrang ein versöhnliches Ergebnis. Meiner Meinung nach war in diesem Jahr die fahrerische Qualität sehr gut und die meisten Rennveranstaltungen gut ausgewählt. Allgemein hat die Organisation gut funktioniert, und es herrschte eine gute Atmosphäre.
(Quelle: Moto Nord)